Klimadiskussions-Buch für Jugendliche ausgezeichnet

Cover MISCH DICH EIN

Yeah, mein Jugendsachbuch zur Klimadiskussion hat gleich nach Veröffentlichung eine Auszeichnung bekommen! Dabei habe ich es hier noch gar nicht vorgestellt. Das muss ich schnell noch nachholen: Das 80-Seiten Buch im Kleinformat für 6 € erschien am 19. Oktober bei Oetinger Taschenbuch. Und darum geht es:

MISCH DICH EIN! will Jugendliche dazu anregen, sich zum Thema Klimawandel eine eigene Meinung zu bilden, diese erfolgreich zu vertreten und damit etwas zu bewegen. Das Buch erklärt im Kapitel „Fakten – Das solltest du wissen“ die wichtigsten Zusammenhänge zum Klimawandel. Im Kapitel „Fake – das sollte dich skeptisch machen“ geht es um Klimamythen, Fake News, Klimawandel-Leugner, Hate Speech und fragwürdige Argumentationsmuster, aber auch um die Frage, warum wir selbst uns nicht immer klimafreundlich verhalten. Im Kapitel „Action – so wirst du wirklich wirksam“ werden schließlich Argumentationsstrategien und Vorgehensweisen vorgeschlagen, mit denen Jugendliche sich Gehör verschaffen können.

Drei für unsere Erde

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zeichnet monatlich jeweils einen Klima-, Umwelt- & Natur-Buchtipp aus. Die Jury „Drei für unsere Erde“ wählt die Bücher aus und gibt einen eigenen Newsletter heraus, sie werden auf der Seite der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur und beim Sankt Michaelsbund vorgestellt. Außerdem wird im BuchMarkt auf die Auszeichnung aufmerksam gemacht. Im DEZEMBER 2020 wurde MISCH DICH EIN! als Klima-Buchtipp ausgewählt, die Begründung lautete:

„Klar, sachlich und informativ: Ein kleines, aber beeindruckendesTaschenbuch zum Klimawandel legt die Autorin vor und fordert einen genauen Diskurs. Gegen Fake News und für mehr Fakten sowie Wissenschaft in einer emotional aufgeladenen Debatte!“

Begründung der Jury „Drei für eine Erde“ für die Auszeichnung

Ich freue mich riesig und gratuliere den anderen Ausgezeichneten!

Country Comics – eine Erfolgsgeschichte

Die Idee wird geboren

Alles begann mit einer Bilderschreibwerkstatt im Herbst 2018 in Erkelenz. Ich hatte mir im Monat zuvor ein iPad gekauft und bot an, die Fotos mit einer App comicartig zu verfremden. Eine Zehnjährige hatte die Idee, mit ihren Stofftieren das Kinderbuch „An der Arche um acht“ von Ulrich Hub nachzuerzählen. Ich war sofort schockverliebt. Diese Bilder, diese Möglichkeiten zu erzählen! Die Sache hatte allerdings einen Haken: Es war enorm viel Arbeit für uns Workshopleiter, die Bilder auf dem Rechner nachzubearbeiten. Die Teilnehmenden waren auch viel zu abhängig von unserer Hilfe, das musste doch auch anders gehen! Was, wenn man einen Workshop konzipieren würde, bei dem die Teilnehmenden mit Hilfe von iPads, iPad-Stiften und Apps ganz eigenständig Comics erstellen würden?

Ein Konzept kommt an

Ich war wie im Fieber und probierte jede Menge Apps aus. Schließlich hatte ich einen Plan, wie und in welcher Reihenfolge man die Apps anwenden müsste, um eine Comicgeschichte zu erzählen. Im Dezember folgte der ultimative Test: Mein achtjähriger Neffe erstellte innerhalb einer Stunde mit seinen Schleichdrachen einen Drachenkampf-Comic, Tschacka!

Ich schrieb das Konzept für den Workshop und schickte es im Frühling 2019 ans Kulturbüro Mönchengladbach. Auf dem Titelbild sagte ein Bär: „Da kommt was Großes auf uns zu.“ Es kam mir selbst ein kleines bisschen anmaßend vor, da ahnte ich noch nicht, dass wirklich etwas Großes auf mich zukommen würde. Denn im Sommer kam plötzlich die Anfrage: „Würdest du im Sommer 2020 sechs Workshops hintereinander machen? Da kommt richtig Arbeit auf dich zu!“ Was für eine Frage! Die LAG Kunst und Medien NRW wollte mein Projekt, Juchhee!

Plötzlich ganz groß

Nachdem Fleur Vogel von der LAG und ich uns kennengelernt hatten, war klar, dass meine iPad-Comicgeschichten das Jahresprojekt der LAG Kunst und Medien für 2020 werden sollten. Fleur Vogel begann sofort damit, die Bildungspartner für das Projekt zu suchen und ein Konzept und einen Antrag auf finanzielle Mittel beim LWL (Landesjugendamt Westfalen Lippe) zu schreiben. Geplant war ein Netzwerkprojekt, bei dem die Stadt Mönchengladbach als einzige Großstadt teilnehmen und die übrigen fünf teilnehmenden Einrichtungen oder Kommunen eher ländlich im Umkreis von Mönchengladbach gelegen sein sollten. Thematisch sollte es darum gehen, dass die Kinder und Jugendlichen sich mit ihrer ländlichen Umgebung auseinandersetzen. Daraus entstand dann auch der Name für das Projekt: Country Comics.

Im November 2019 standen unsere Bildungspartner fest, wir machten Termine, vernetzten uns und freuten uns auf die Workshops, die wir im Sommer 2020 machen würden. Jede Einrichtung hatte Besonderheiten und wollte unterschiedliche Altersgruppen ansprechen, alles schien möglich.

Bangen und warten

Und dann kam Corona. Wochen, in denen wir bangten und über Online-Alternativen nachdachten. Im März/April waren alle Jugendeinrichtungen geschlossen und wir hatten immer noch keine Zusage für die Finanzierung. Schließlich wurden die Jugendeinrichtungen wieder geöffnet, es wurden Hygienepläne entwickelt und wir änderten das Konzept von Gruppenarbeit zu Einzelplätzen. Wir wollten mit acht iPads acht Plätze anbieten, bei der Teilnahme von Geschwisterkindern sogar mehr. Alles war vorbereitet, aber der Bescheid vom LWL ließ immer noch auf sich warten. Endlich, am 14. Mai kam die Zusage! Das Projekt sollte am 2. Juni im STEP in Mönchengladbach beginnen. Puh, alles ganz schön eng, um Teilnehmer zu finden, die acht iPads und das Zubehör zu beschaffen und alles einzurichten.

Der Start in Mönchengladbach

Und so startete das Projekt in Mönchengladbach im STEP ein wenig holprig. Die iPads waren nicht kompatibel mit dem Beamer, Schutzhüllen und iPad-Stifte trudelten erst im Lauf der Woche ein und einige Kinder stießen erst später hinzu, weil sie spontan im dem laufenden Betrieb des STEP angesprochen wurden. Aber von Anfang an funktionierte der Plan: Die Teilnehmenden begriffen schnell, wie man mit den Apps Comicgeschichten erzählen kann und waren mit Begeisterung dabei. Die Arbeit mit dem iPad löste kreative Energien aus, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte! Und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen, die fünf Kinder und zwei jungen Erwachsenen produzierten insgesamt zehn fertige Werke, die nicht unterschiedlicher hätten sein können. Als ich hinterher die iPads auswertete, fand ich darauf viele kleine Nebenprojekte, mit denen meine Teilnehmenden sich ausprobiert hatten und spielerisch kreativ waren. Da ahnte ich schon, dass sie für den Kreativitätsprozess besonders wichtig waren.

Ganz eng in Viersen

Weiter ging es in Viersen, wo die besondere Herausforderung in den kleinen Räumen des Hubert-Vootz-Hauses lag. Die Abstände zwischen den Teilnehmenden konnten nur eingehalten werden, indem wir die Gruppe teilten. Während die Teilnehmerinnen im Dachgeschoss von Teamer John betreut wurden, saß ich im Erdgeschoss und hatte mir die Jüngsten in die Gruppe geholt. Zwei achtjährige Jungen, von denen ich erwartete, dass sie viel Bewegung zum Ausgleich brauchen würden. Die Rechnung ging auf, die Kinder nutzten ausgiebig das schöne Außengelände zum Fußballspielen und Toben. Ich lernte, dass man sie nie zurück zu ihren Projekten rufen muss, die Begeisterung für die Arbeit mit den iPads ist so groß, dass sie von selbst wiederkommen. Die „Großen“ waren ohnehin immer bei der Arbeit und machten kaum Pausen. Zwei Mädchen entschieden sich fürs Filmen und drehten insgesamt sechs Comicfilme. Bei der Abschlussveranstaltung mussten alle eine ganze Stunde lang Maske tragen, ich habe sogar mit Maske moderiert. Eine echte Herausforderung, aber kein Problem für die Viersener!

Zeichenprofis in Niederkrüchten

Die Sommerferien in NRW begannen und die Country Comics waren in Niederkrüchten im doc5 zu Gast. Hier waren viele Jungen und Mädchen dabei, die zuhause viel zeichnen und gerne das digitale Zeichnen ausprobieren wollten. Einige waren mit so viel Ausdauer dabei, dass ich am Ende eines Workshoptages iPads mit leeren Batterien zurückbekam. Aber es gab auch Teilnehmer, die alle Möglichkeiten der Bildbearbeitung ausschöpften und dazu ganz neue Kombinationen für die Apps erfanden. Der Spaß kam nicht zu kurz, der Billardtisch wurde täglich genutzt und nach der langen Lockdown-Zeit genossen alle dieses Stückchen Normalität. Ich lernte, dass Comics mit eigenen Zeichnungen viel aufwändiger sind und die Zeit besser strukturiert werden muss, wenn man solche Projekte zu Ende führen will. In Niederkrüchten entstand auch die Idee, selbstgestaltete Bilder mit dem eigenen Namen in die Abschlusspräsentation einzubauen, eine „Kunstform“, die in den folgenden Workshops weiter verfeinert wurde.

Locker in Waldniel

Die dritte Ferienwoche in NRW begann und mittlerweile waren die Corona-Regelungen deutlich gelockert. Die Teilnehmenden im EFFA in Waldniel durften sich innerhalb der Gruppe ohne Maske frei bewegen. Sie setzten sich häufig zusammen, es gab gemeinsame Mahlzeiten, einen Spielplatzbesuch und einige zogen mit der Teamerin durch Waldniel und machten Fotos für die ganze Gruppe. Die Airdrop-Funktion, mit der die Bilder gezielt an andere iPads in der Nähe geschickt werden können, wurde ausgiebig genutzt, auch um lustige Bilder herumzuschicken. Aus der Erfahrung in Niederkrüchten heraus habe ich besser strukturiert und so war noch Zeit für eine entspannte Abschlussrunde am letzten Tag, bevor die Eltern kamen. Passend zu der heiteren Atmosphäre wurde bei der Abschlussveranstaltung in Waldniel viel und herzlich gelacht.

Heimspiel in Erkelenz

Die Country Comics kamen zu dem Ort, an dem die Idee entstanden war: der Leonhardkapelle in Erkelenz. Hier hatte 2018 die eingangs erwähnte Bilderschreibwerkstatt stattgefunden. Ich war richtig gerührt, als ich feststellte, dass einige der Teilnehmerinnen von damals auch jetzt angemeldet waren. Bewusst hatte die Stadt Erkelenz sich dafür entschieden, das Alter der Teilnehmenden auf 12-16 Jahre festzusetzen, um auch Jugendlichen ein Angebot für die Sommerferien machen zu können. Normalerweise ein Risiko, denn es ist gar nicht so einfach, diese Altersgruppe mit einem passenden Angebot anzusprechen. Aber es gelang, der Kurs war voll und die acht Teilnehmerinnen waren hochmotiviert. Wieder wurde viel gezeichnet, es gab gemeinsame Mahlzeiten im Hof mit Lunchpaketen und Teamer Alex sorgte für musikalische Untermalung. In der Abschlussrunde brachten mehrere Teilnehmerinnen zum Ausdruck, wie wertvoll die kleinen Nebenprojekte für sie gewesen seien. Ich hatte das ja schon vermutet und war dankbar für diese Bestätigung. Bei der Abschlusspräsentation gab es ein Novum: Katharina Lüke, Jugendpflegerin der Stadt Erkelenz hatte Urkunden für alle angefertigt. Darauf hätte ich ja auch mal kommen können.

Im Ratssaal von Brüggen

Da im second home die Abstände nicht eingehalten konnten, waren die Country Comics in Brüggen im Ratssaal der Stadt zu Gast. Ein bisschen eingeschüchtert war ich schon, als ich das erste Mal den Raum mit seiner gehobenen Atmosphäre betrat, aber meine Teilnehmenden machten sich gar nichts daraus. Sie genossen die Wertschätzung und die Nähe zur Innenstadt, wo sie sich mittags einen kleinen Imbiss holten. Und immer noch wurden neue Techniken mit den iPads entwickelt. Gemeinsam lernten wir, wie man selber Sticker anfertigen und in der Comic-App einfügen kann. Zwischendurch wurde mir eine aufblasbare Weltkugel geschenkt, die ein einsames Dasein in den Fluren der Verwaltung fristete. Sofort wurde das Thema aufgegriffen und in einige Comics eingebaut. Ich war fasziniert, wie leicht sich die Kinder und Jugendlichen von diesem Impuls inspirieren lassen. Bei der Abschlussveranstaltung war ich ein bisschen traurig, weil nun die Comic-Workshops vorbei waren. Aber es sollten ja noch zwei Termine folgen.

Töne in Mönchengladbach

Bei den beiden Vertonungsworkshops übernahm Réné Wagner, Hörbuchsprecher und -produzent, die Leitung. Zum ersten Mal trafen Teilnehmende der Country Comics aus den verschiedenen Orten aufeinander, lernten sich kennen und mussten sich gleich gegenseitig unterstützen, denn zur Vertonung der Comics waren verschiedene Stimmen gefragt. Wir alle stellten fest, dass es einen Riesenspaß macht, einen Comic einzusprechen. Réné Wagner hatte zu jedem Projekt passende Geräusche und Musik besorgt, und so wurde jeder vertonte Comic zu einem kleinen Film mit einem ganz eigenen Stil.

Keine große Abschlussveranstaltung…

…aber ein dicker Comicband und eine Homepage. Eigentlich sollten alle Beteiligten des Projekts Ende September noch einmal in Mönchengladbach zu einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung zusammenkommen. Von dieser Planung wurde aber schon früh Abstand genommen, um keine unnötigen Risiken einzugehen und weil nicht klar war, ob man einen solchen Event überhaupt zum geplanten Zeitpunkt durchführen dürfe. Stattdessen sollen die dafür eingeplanten Gelder nun für eine Projekt-Homepage verwendet werden. Und auch der Comicband durfte dicker werden, als ursprünglich geplant. Wer hätte auch zu Beginn geahnt, dass insgesamt 54 Comics, sechs Comicfilme, ein Kinderbuch und ein Zeichenprojekt entstehen würden! Einige der Teilnehmenden hatten zwar mehrere Comics angefertigt, aber für den Comicband musste eine Auswahl getroffen werden. Jeder konnte mit nur einem Werk vertreten sein. Ich bin glücklich, dass mit der geplanten Homepage nun alle Werke gezeigt werden können, auch die Filme und die vertonten Comics.

Es geht weiter

Wenn ein schönes Projekt erfolgreich durchgeführt wurde, mag man sich gar nicht davon verabschieden. Muss ich aber auch nicht, denn ich habe die iPads behalten und werde sie weiterhin in Workshops einsetzen. Die Comics, die dabei entstehen, dürfen auf der Projekt-Homepage der Country Comics eine Heimat finden, und nicht nur sie: Alle Kinder und Jugendlichen, die gerne selber Comics machen, ob digital oder mit Papier und Zeichenstift, dürfen ihre Werke einreichen und darauf hoffen, dass sie auf der Homepage der Country Comics gezeigt werden. Vielleicht wird diese Seite einmal ein deutschlandweites Forum für Comickultur von Kindern und Jugendlichen. Wer hätte das vermutet, als ich im Herbst 2018 darüber nachdachte, wie Kinder und Jugendliche ganz eigenständig Bildergeschichten mit dem iPad erstellen können.

@naturschreiberin

Natur ist das Größte

Wandern, Walken, Waldspaziergang – ich liebe die Bewegung in der Natur. Die Schönheit im Detail entdecken, mit allen Sinnen genießen. Schon immer habe ich fotografiert, aber die Digitalfotografie hat mein Knipsen revolutioniert. Kennt ihr vermutlich. 2016 habe ich mir eine Kompaktkamera gekauft und die ist jetzt immer dabei. Seit ich so viele schöne Bilder von unseren Ausflügen habe, genieße ich doppelt: die Natur im Moment des Erlebens und hinterher beim Betrachten der Fotos.

@ naturschreiberin

Eigentlich hatte ich immer vor, hier im Blog schöne Ecken von Deutschland vorzustellen oder meine Bilder bei Gelegenheit auf Facebook oder meinem Instagram-Account @autorendingsda zu zeigen. Oft habe ich mit Blogbeiträgen angefangen und sie dann doch nicht zu Ende geführt. Es fehlte einfach die Zeit. Anfang des Jahres habe ich unter @naturschreiberin eine Seite bei Instagram eingerichtet, auf der ich meine Naturfotos zeige. Mein Ziel ist es, alles möglichst einfach zu halten und jeden Tag ein Bild aus dem jeweiligen Monat zu posten. Eine Herausforderung für mich, gilt es auch in tristen Monaten besondere Momente aufzuspüren oder die Schönheit im Detail zu sehen. Aber ich nehme auch Fotos aus meinem reichen Fundus, immerhin besuchen wir seit vielen Jahren die deutschen Nationalparks und andere Naturschutzgebiete. Entscheidend ist, dass sie im jeweiligen Monat aufgenommen wurden.

Spaß und Technik

An erster Stelle steht bei diesem Account die Freude an den Bildern und am Teilen mit anderen Naturfans. Aber ich nutze ihn auch, um ein bisschen mit der Technik zu spielen. Die Kamera ausreizen, die Bildbearbeitung optimieren, das Auge für gute Bilder schärfen, Instagram-Strategien ausprobieren – an sowas hab ich Spaß. Wenn ihr mir dort folgt, freue ich mich. Vielleicht lasst ihr euch auch anregen, die eine oder andere Gegend in Deutschland selbst zu erkunden. Dann würde ich mich riesig über einen Kommentar mit einem kleinen Bericht freuen.

Eure Andrea

Mein Autorenjahr 2019

Adieu 2019 – Hallo 2020

Die Zeit fliegt dahin. Oft habe ich das Gefühl, dass schon wieder ein Tag um ist und ich nicht wirklich vorangekommen bin mit dem, was ich eigentlich tun wollte. Wenn ich dann aber zurückblicke, ist ganz schön viel passiert. Auf Facebook und immer regelmäßiger auf Instagram erzähle ich davon, aber hier auf meiner Homepage habe ich keine Rubrik, in der ich regelmäßig über Neuigkeiten berichte. Deshalb gibt es zum Jahreswechsel mal einen Überblick, was bei mir im Autorenjahr 2019 los war und was im nächsten Jahr ansteht.

FALCON: Gefahr aus der Luft

Das wichtigste berufliche Ereignis zuerst: Im März ist mein zweiter Roman bei Edel:Kids books erschienen. Ein Thriller für Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren, ein echtes Herzensprojekt. Falke gegen Drohne, Technik gegen Natur, Hochspannung pur. Von Anfang an wurde „FALCON: Gefahr aus der Luft“ gut besprochen und das Buch lag überall in den Buchhandlungen auf Stapeln – also so, wie man sich das als Kinder- und Jugendbuchautorin wünscht und wie es längst nicht selbstverständlich ist.

Cover FALCON Gefahr aus der Luft

Kurz vor Weihnachten kam eine überraschende Nachtricht: „FALCON: Gefahr aus der Luft“ steht auf der Longlist zum Glauser-Preis für den besten Jugendkriminalroman! Ich freue mich riesig und fühle tiefe Dankbarkeit. Drückt mir die Daumen, am 2. Februar kommt die Shortlist raus! Die aktuellen Entwicklungen kann man auf der SYNDIKAT-Seite oder auf dem Blog meiner Kollegin Christina Bacher verfolgen.

Die Bücher auf der Longlist zum Jugendkrimi-Glauser 2020
Die 7 Bücher, die es auf die Longlist des Glauser-Preises für den besten Jugendkrimi 2020 geschafft haben (Foto von Erich Weidinger)

Literatur-Institutionen

Mit den Büchern klappt es nicht immer so, wie man sich das wünscht. Seit Jahren wartet ein Jugendroman in der Schublade auf Veröffentlichung. Detailliert ausgearbeitete Kinderbuchprojekte fanden trotz des großen Engagements meiner Agentin bisher keine Verlagsheimat. Für das Jahr 2019 hatte ich mir vorgenommen, an einer anderen Stelle voranzukommen. Mit dem zweiten veröffentlichten Buch hat man gute Chancen, in den Listen der Institutionen aufgenommen zu werden, die Künstler vermitteln und/oder Projekte der kulturellen Bildung fördern. Im Frühjahr habe ich mich also bei einigen Institutionen beworben und wurde in allen Fällen angenommen! Eine Schreibwerkstatt habe ich schon mit dem Programm von schreibland.nrw durchgeführt und eine vom Friedrich-Bödecker-Kreis NRW geförderte Lesung ist auch schon gebucht. Außerdem bin ich jetzt auf den Literatur-Portalen Literaturport und Kulturserver NRW vertreten.

Mein erstes Sachbuch

Aktuell darf ich zum ersten Mal ein Sachbuch für Jugendliche schreiben. Es geht um das Thema Klima und richtet sich an Menschen ab 14 Jahren. Eine echte Herzensangelegenheit! Aber ich erzähle nicht so gerne von halbfertigen Buchprojekten. Im Herbst 2020 erscheint das Buch, dann erfahrt ihr mehr.

Autorengemeinschaft

Das Beste am Autorenleben sind die vielen netten Autorenkolleg*innen! Wir sind über Foren und Facebook immer im Austausch, aber die Highlights sind natürlich die Treffen. Im April war ich beim Treffen des Kinderbuchautorenforums Schreibwelt. Beim Kinderbuchautorenstammtisch Köln hat es in diesem Jahr zweimal geklappt. Am Rhein-Ruhr-Montségur-Autorenstammtisch im Unperfekthaus in Essen konnte ich in diesem Jahr auch zweimal teilnehmen und im September gab es mal wieder ein großes Treffen der Montségur-Autoren in Oberursel. Ganz besonders war meine Teilnahme beim Hamburger Vorlesevergnügen. Das Lesefestival wird von Autorenkolleg*innen organisiert und es gibt in der gesamten Zeit einen Autorenstammtisch für die teilnehmenden Autor*innen auf einem Alsterschiff. Ein unvergesslicher Abend!

Premierenlesung von „FALCON: Gefahr aus der Luft“ im Rahmen des Hamburger Vorlesevergnügens

Beim Bundeskongress Kinderbuch am 18. Oktober in Frankfurt war ich Mitglied des Orga-Teams. Diesmal gab es nicht nur den Kongress mit Podiumsdiskussion und viel Austausch, sondern auch im Anschluss eine Party. So toll! Ich freue mich jetzt schon riesig auf die Party im nächsten Jahr. Nicht vergessen möchte ich meine Lesegruppe, mit der ich mich regelmäßig treffe und über gemeinsam gelesene Bücher diskutiere. So lese ich immer wieder Bücher, die ich mir selbst nie ausgesucht hätte. Was für tolle Menschen, denen ich in diesem Jahr durch das Schreiben und Lesen begegnet bin! Danke an euch alle, ihr seid so inspirierend und bereichernd.

Schreibwerkstätten 2019

Seit Jahren führen wir als Vierer-Team in den Sommerferien eine einwöchige Schreibwerkstatt in Erkelenz durch. Anfangs hätte ich das gar nicht vermutet, aber hier habe ich ein echtes Talent bei mir entdeckt. Es macht mir so viel Freude, mit den Kindern und Jugendlichen an ihren Texten zu arbeiten! Gestärkt durch diese Erfahrung habe ich mich in diesem Jahr zum ersten Mal getraut, alleine Schreibwerkstätten anzubieten und auch die Abschlussveranstaltung zu moderieren. Das schönste Kompliment kam von einer Lehrerin in Nettetal: „Sie holen wirklich das Beste aus jedem Jugendlichen raus.“

Schreibwerkstatt in der Stadtbücherei Nettetal

Plötzlich Selfpublisherin

Im Sommer kam die Nachricht von meinem Verlag: Mein Erstling „PARKOUR – Nur die Wahrheit ist unbezwingbar“ sollte verramscht werden. Was tun? Ich wollte mein Buch weiterhin verfügbar halten und so entschloss ich mich, ein e-book von PARKOUR herauszugeben. Laura Newman machte mir ein wunderschönes neues Cover und seit Juli ist mein Buch bei AMAZON erhältlich. Eine schöne Erfahrung, die mir aber auch gezeigt hat, dass ich eher nicht als Selfpublisherin unterwegs sein möchte.Cover e-book PARKOUR Übrigens habe ich noch einige Exemplare des Original-Buchs. Wer es signiert und zu einem vergünstigten Preis kaufen möchte, darf sich gerne bei mir melden.

Eine Lesungsagentin

Seit diesem Jahr habe ich mit Charlotte Zeiler eine Lesungsagentin. Die ersten Lesungen sind schon fürs nächste Jahr gebucht, ich freue mich über die schöne Zusammenarbeit.

MG-act

In Mönchengladbach ist was los! Auf der Jugendseite MG-act machen junge Leute Programm. Da kann ein bisschen Unterstützung und Anleitung nicht schaden, hat man sich im Kulturbüro Mönchengladbach gedacht. Seit kurzem leite ich mit viel Freude eine Jugendredaktion am Maria-Lenssen-Berufskolleg, im nächsten Jahr soll außerdem eine freie Redaktion aufgebaut werden. Es wird monatliche Treffen im Jugendzentrum Jukomm geben, außerdem sechs separate Workshops. Wir suchen noch junge Leute aus Mönchengladbach, die mitmachen möchten! Schreiben, Fotografieren, Filmen, eine Kollumne, eine Rezension – vieles ist möglich. Die regelmäßige Teilnahme wäre toll, ist aber nicht Voraussetzung. Wenn jemand ein einzelnes Thema hat, über das er/sie gerne auf unserer Jugendseite berichten möchte, ist er/sie auch herzlich willkommen.

Hörtheater Erkelenz

Eigentlich ist das ein Hobby. Seit einigen Jahren treten wir als Gruppe mit klassischen Stücken auf, in diesem Jahr haben wir „Drei Männer im Schnee“ und „Romeo und Julia“ gespielt. Highlight war die Aufführung von „Drei Männer im Schnee“ am 15. November im Schacht 3 in Hückelhoven. Eine tolle Atmosphäre! Wer die Aufführungen im nächsten Jahr nicht verpassen will, findet die Termine auf meiner Homepage oder unter DeinErkelenz.de.

Aufführung von „3 Männer im Schnee“ im Schacht 3 in Hückelhoven

Ein neues Hobby

Sie heißt Gwendolyn. Es war Liebe auf den ersten Blick. Also bei mir. Ich weiß noch nicht so genau, wie sie zu mir steht. Alles fing mit einem Schnupperkurs in der VHS an und dann entdeckte ich diese keltische Harfe bei Ebay Kleinanzeigen. Gwendolyn. Wir sind ein Dream-Team. Hat nicht wirklich was mit dem Schreiben zu tun, ich weiß. Aber es tut gut, auch andere Wege zu gehen, die mit Kreativität verbunden sind.

Schreibwerkstätten 2020

Für 2020 kommen schöne Projekte auf mich zu. Es geht gleich im Januar los, schaut gerne mal in die Termine. Ganz spannend ist eine Schreibwerkstatt im Museum Krefeld ab dem 18. Januar, die sich an ältere Jugendliche ab 14 Jahren richtet. Am 23. Januar darf ich die Abschlussveranstaltung der Nettetaler Schreibwerkstatt im Rahmen der Blauen Stunde moderieren. Weitere Schreibwerkstätten bei der ÖJE (Ökumenische Jugend Eicken, Mönchengladbach), in Erkelenz und Nettetal sind geplant. Die Förderanträge wurden eingereicht und nun warten wir, ob sie genehmigt werden.

Country Comics

Comicschreibwerkstatt

Als ich im Frühjahr ein Konzept für eine digitale Comicwerkstatt schrieb und etwas großspurig dieses Foto aufs Deckblatt setzte, ahnte ich noch nicht, dass da wirklich was Großes auf mich zukommen könnte. Die LAG Kunst und Medien interessierte sich für das Projekt und gemeinsam mit dem Kulturbüro Mönchengladbach haben wir uns zusammengesetzt und daraus ein Großprojekt gestrickt. Im Hintergrund wird schon ganz viel organisiert, denn wenn der Förderantrag im April genehmigt werden sollte, muss schon alles fertig geplant sein.

Mitglied in einer Jury

Ich weiß gar nicht, ob ich schon darüber berichten darf, daher nenne ich mal lieber keine Namen. Ich bin gefragt worden, ob ich in der Jury für einen Literaturpreis sitzen möchte und habe gerne zugesagt. Eine neue spannende Aufgabe, auf die ich mich total freue. Ich hab aber auch einen Heidenrespekt davor. Was da wohl auf mich zukommt?

Mein privates Lieblingsprojekt

Als ich vor 26 Jahren nach Mönchengladbach kam, entdeckte ich schnell meine Liebe zum ländlichen Niederrhein. Besonders das Schwalm-Nette-Gebiet mit seinen Bächen, Seen und Wäldern hat es mir angetan. Wenn der Nebel morgens über die Pferdekoppel wabert, die Weiden am Wegesrand mir ihre Köpfe entgegenstrecken und das türkisblaue Wasser des Venekotensees durch die Bäume schimmert, bedeutet das für mich Glück. Mein Traum war immer ein Haus inmitten der Natur, an dem ich ungestört schreiben kann. Dort gibt es einen Campingplatz, auf dem im November Fundamente für ein Holzhaus angelegt wurden. Das Holz ist bestellt, ich bin der Erfüllung meines Traums ganz nah.

Natur- und Landschaftsführerin

Endlich wird im Jahr 2020 wieder der Lehrgang zum Natur- und Landschaftsführer angeboten und diesmal liegen die Termine für mich ideal. Das wollte ich schon lange machen und ich hoffe also, dass ich einen Platz bekomme. So ganz genau weiß ich noch nicht, was ich mit dieser Ausbildung machen werde, aber da ich diesen Traum schon lange habe, wird es einen Grund geben. Manchmal lichten sich die Nebel, wenn man einen Weg einfach mal geht.

Alles Gute für 2020

Wenn ihr bis hierher durchgehalten habt, seid ihr echte Fans! Ganz herzlichen Dank für das Interesse. Ich würde mich freuen, euch auch im nächsten Jahr wieder auf meinem Blog oder vielleicht bei Facebook oder Instagram begrüßen zu dürfen. Ich wünsche euch ein guten Übergang ins neue Jahrzehnt und viel Glück, Liebe und Gesundheit für das Jahr 2020.

Eure Andrea

Autoren Dingsda – Update

Wie alles begann…

Nachdem ich im September 2014 mein erstes Jugendbuch veröffentlicht hatte, tauchte ich erstmals in die Buchwelt ein und erlebte so manche Diskussion zu Problemen im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur. Das Thema packte mich, ich wollte irgendetwas beitragen und gründete Anfang 2017 den YouTube-Kanal Autoren Dingsda, auf dem Kinder- und Jugendbuchautor*innen ihre Bücher vorstellen konnten. Ich hatte auf ein Gemeinschaftsprojekt gehofft, aber dazu kam es nicht. So startete ich allein mit Elan, hatte Spaß an der Technik, am Design und vor allem an den Gästen, die ich mir einlud. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon länger ein kleines, externes Büro angemietet – ideal für die Dreharbeiten und um Kolleg*innen dort übernachten zu lassen.

…was dann passierte…

Zur Buchmesse 2017 wurde der Bundeskongress Kinderbuch (BuKo) als Zusammenschluss deutschsprachiger Kinder- und Jugendbuchautor*innen gegründet. Ich war bei der Gründung dabei und glücklich, dass es endlich eine Vereinigung gab, die sich für unsere Interessen stark machte. Ende 2017 musste ich mein externes Büro aufgeben. Ich richtete mir ein Kellerbüro ein, aber im Grunde ziehe ich wie früher mit dem Laptop umher und suche einen Platz, an dem ich in Ruhe arbeiten kann. Dreharbeiten oder Übernachtungen von Besuchern waren nun nicht mehr möglich. Immerhin, so dachte ich, trifft man die Kolleg*innen häufig im Jahr bei Buchmessen, Tagungen, Stammtischen und beim Bundeskongress. Bei diesen Gelegenheiten könnte man doch leicht mal ein Buch ins Bild zu halten und ein paar Worte dazu zu sagen. Aber so einfach war es dann doch nicht. Ich merkte selbst, wie sehr solche Unterbrechungen störten und wie es mich stresste. Also machte ich erst mal keine Videos mehr. Im Frühjahr 2018 war ich an der Organisation der Podiumsdiskussion des BuKo zum Thema „Lesen im 21. Jahrhundert“ beteiligt, in diesem Jahr bin ich im Orga-Team für den Bundeskongress. Ich fand Möglichkeiten, mich zu engagieren und vermisste meinen YouTube-Kanal nicht.

…und wie es nun weitergeht

Nachdem ich nun fast zwei Jahre kaum Inhalte für den Kanal produziert habe, stellte ich mir in den letzten Wochen häufiger die Frage, wie ich mit dem Projekt weitermachen will. Dass mein Herz noch immer daran hängt, spürte ich, als ich vor ein paar Tagen das Instagram-Konto autorendingsda umbenannte. Es fühlte sich falsch an, wie eine Täuschung der Follower. Ich habe schnell den alten Namen wieder angenommen. Aber ich weiß auch, dass ich im kommenden Jahr keine Zeit für das Projekt haben werde. Zwei Bücher warten darauf geschrieben zu werden. Ich habe die Betreuung zweier Jugendredaktionen übernommen und gebe so viele Workshops wie noch nie. Den Facebook-Kanal zum Projekt habe ich erst mal offline gestellt. Der YouTube-Kanal Autoren Dingsda bleibt vorläufig online, wenn auch inaktiv. Aber auf Instagram hab ich grad richtig Lust. Und deshalb habe ich beschlossen, dort weiter zu machen. Es wird persönlicher, aber ich hoffe auch zwischendurch kleine Beiträge mit meinen Autorenkolleg*innen und zu ihren Büchern machen zu können.

Instagram-Profil von autorendingsda
Premierenlesung aus FALCON: Gefahr aus der Luft

Premierenlesung aus „FALCON: Gefahr aus der Luft“

Zum ersten Mal aus einem Buch lesen

Die erste Lesung aus einem neuen Buch ist immer besonders. Hat man die richtigen Stellen ausgewählt? Kommen die Geschichten drumherum gut an? Funktioniert die Technik, stimmt die Zeitplanung? Und überhaupt, welche Wirkung hat das Buch auf die Zuhörer?

Für die Premierenlesung aus „FALCON: Gefahr aus der Luft“ hatte ich mir etwas Besonderes ausgedacht: Ich wollte mein iPad einsetzen und begleitend kurze Filme einstellen oder im Hintergrund Bilder an die Wand werfen. Schwerpunkt der Lesung sollte das Greifvogel-Thema des Buches sein. Ich hatte mir von dem Macher des Films „Die Rückkehr der Wanderfalken“, Klaus Weißmann, die Erlaubnis eingeholt, die erste Minute seines Films zeigen zu dürfen. Außerdem hatte ich Bilder von dem Falkner-Kurs dabei, den ich im September letzten Jahres gemacht hatte. Auf diese Weise wollte ich die Lesung nicht nur lebendig gestalten, sondern auch Wissen über die Wanderfalken vermitteln.

Auf Einladung des Hamburger VorleseVergnügens

Die erste Lesung aus „FALCON: Gefahr aus der Luft“ durfte ich auf Einladung des Hamburger VorleseVergnügen machen und das an sich ist schon besonders. Ein Lesefestival von Autoren für Autoren, und das jetzt schon im 5. Jahr! Die Kolleg*innen legen viel Wert darauf, dass sich die Autor*innen wohlfühlen. Alles ist zuverlässig organisiert und auch der Austausch untereinander wird gefördert. Während der gesamten Festivalzeit gibt es einen Stammtisch auf einem Restaurantschiff auf der Alster und am Vorabend der Lesung habe ich dort ein Abendessen mit netten Kolleginnen und Kollegen in wunderbarer Atmosphäre genossen.

Bei der Baugenossenschaft Finkenwärder Hoffnung

Da die Macher vom VorleseVergnügen versuchen, Spielorte in ganz Hamburg auszusuchen. Daher gab es in den fünf Jahren schon Lesungen an über 30 verschiedenen Örtlichkeiten, davon einige sogar in Zügen oder an anderen ungewöhnlichen Orten. Am Morgen des 20. Juni wurde ich von meiner Kollegin Katja Reider abgeholt und wir fuhren mit dem Bus nach Finkenwärder. Ich durfte bei der Baugenossenschaft Finkenwärder Hoffnung eG lesen und es war zu vermuten, dass es dort einen ganz normalen Raum mit Beamer geben würde. So war es denn auch, der Raum war perfekt und ich hatte sogar einen Techniker zur Seite, der sich um Mikro, Beamer und Co. kümmerte.

Eine 7. und eine 8. Klasse

Meine Lesung war für Schüler ab der 6. Klasse angekündigt worden, aber man weiß nie genau, wer zu den Veranstaltungen kommt. Als die Schüler kamen, waren wir überrascht: eine 7. und eine 8. Klasse. Ich hatte noch nie für eine 8. Klasse gelesen und meine Autorenkolleg*innen erzählen oft, wie schwierig es sei, diese Altersgruppe für Literatur zu begeistern. Aber mein Thema machte es mir leicht. Wanderfalken sind einfach spektakulär: Sie sind mit bis zu 400 Stundenkilometern die schnellsten Tiere der Welt! Sie können auf acht Kilometer eine Taube erkennen, brüten auf nackten Felsen und betrachten die Hochhäuser in unserer Städten als Felsenlandschaft, in der es idealerweise Futter in Gestalt von Tauben im Überfluss gibt. Wer kann da schon widerstehen? Spätestens mit der Szene, in der Cosmo die Drohne vom Himmel holt, hatte ich auch die Großen gepackt.

Fragen über Fragen

Nach dem Leseteil kamen ganz viele Fragen und ich konnte noch ein bisschen Bonusmaterial aus meinem Falkner-Kurs zeigen. Die Fütterung der Falken mit Eintagsküken faszinierte die Jugendlichen besonders. In Gefangenschaft werden Falken beim Füttern gleichzeitig trainiert. Man zerrupft die Küken und füttert die Einzelteile, indem man die Tiere zwischen zwei Falknern hin- und herschickt. Wenn der Falke den Rumpf frisst, platzt der im Eintagsküken noch vorhandene Eidotter und ergießt sich gerne mal über die Hand der Falknerin. Ein bisschen eklig, aber genau das wollen die Kids natürlich hören. Zum Schluss gab es noch signierte Lesezeichen und natürlich bekam jeder, der wollte, eine persönliche Widmung.

Fazit

Die Premierenlesung hat prima geklappt und das Schwerpunktthema Greifvögel funktioniert auch noch ganz wunderbar bei Schülern der 8. Klasse. Das Lesen mit iPad-Unterstützung war lebendig und leicht, selbst bei speziellen Fragen konnte ich schnell aus dem Fundus meiner iPad-Bilder das richtige hervorzaubern. Bei der Baugenossenschaft Finkenwärder Hoffnung habe ich mich richtig wohl gefühlt und das Hamburger VorleseVergnügen ist sowieso großartig und bestens organisiert. Wer gerne mehr sehen will, sollte sich durch die Impressionen auf der Homepage durchklicken. Weitere Infos zu „FALCON: Gefahr aus der Luft“ findet ihr in diesem Blogbeitrag oder auf dieser Seite.

Fotos vom Hamburger Vorlesevergnügen: Frank Siemers

Der Falke ist gelandet

Im Wohnzimmer steht ein großes Paket und verkündet eine frohe Botschaft: Mein Thriller für Jungen und Mädchen ab 11 Jahren ist da! FALCON-Gefahr aus der Luft.

Der Anfang

Ich kann es kaum glauben, denn es ist gerade mal 14 Monate her, dass meine Agentin bei mir anfragte, ob ich mir einen Thriller mit der Themenkombination „Technik + Tierfreundschaft“ vorstellen könne. Normalerweise dauert es von der ersten Idee bis zum fertigen Buch deutlich länger, doch in diesem Fall hatte mich das Leben gut vorbereitet. Mein langjähriges Interesse für Greifvögel diente als Grundlage und ich hatte ein YouTube-Video über Kaiseradler im Kampf gegen Drohnen gesehen, das mich völlig faszinierte. Sofort hatte ich einen Film im Kopf, aber ein Adler ist zu schwer und zu mächtig für einen Dreizehnjährigen. Doch dann stellte ich fest, dass auch Wanderfalken Drohnen angreifen, in der freien Natur und ganz ohne Training. Ich kann übrigens sehr empfehlen, bei YouTube einmal die Suchanfrage „Adler vs. Drohne“ oder „Falke vs. Drohne“ zu starten.

Die Figuren

Mit einem solchen Film im Kopf hat man natürlich noch keine Geschichte und keine Figuren, aber ein Spannungs­feld wie dieses produziert bei mir schnell Ideen. Es war gleich klar, dass die Haupt­figur ein falknerisch ausgebildeter Junge sein müsste. Lennart ist in einer Greifvogelstation aufgewachsen und er hat eine innige Beziehung zu seinem Wanderfalken Cosmo, aber sie müssen nach Berlin umziehen, weil seine Mutter es nach dem Unfalltod des Vaters in der alten Umgebung nicht mehr aushält.

Für die Figur des Mädchens erinnerte ich mich an eine Fernsehreportage über Spätis in Berlin (Späti = Spätkauf – so werden in Berlin die Kioske genannt). Mir kam die Idee, Mia in diesem Umfeld leben zu lassen. Sie sollte eine technisch versierte Großstadtgöre sein und Erfahrung mit Kriminalität haben, ohne selbst kriminell zu sein.

Technik

Das Thema „Technik“ war ein großer Spaß. Ich googelte mir die Finger wund und ließ einfach zu, dass meine Fantasie sich ausmalte, wie man all die modernen Techno­logien einsetzen könnte. In der Geschichte beschäftige ich mich ausgiebig mit den Möglichkeiten und Risiken moderner Technologien, dabei geht es um Drohnen, Überwachung und Künstliche Intelligenz (KI). Es gibt sogar eine eigene Perspektive für die KI in der Geschichte.

Greifvögel

Wie schon erwähnt ist das ein ganz persönliches Thema. Seit Jahren durchstreifen mein Mann und ich Nationalparks und Naturschutzgebiete, beobachten Greifvögel in freier Natur oder besuchen Wildvogelauffangstationen und Falknereien. Ich weiß, dass viele Kinder und Jugendliche die Faszination für diese Tiere teilen und so habe ich im Nachwort noch ein wenig zum Thema geschrieben. Mir war ganz wichtig zu betonen, dass ein Falkner eine große Verantwortung trägt und ein Dreizehnjähriger nicht mal eben so einen Wanderfalken halten darf. Außerdem möchte ich Kinder und Jugendliche ermutigen, selbst Tiere in der freien Natur zu beobachten.

Die Rohfassung

Nach der Entwicklung des Plots war ich so im Fluss, dass ich in nur viereinhalb Monaten die Rohfassung schrieb. Erst nach Abgabe des Textes kamen mir Zweifel, ob die Falkner-Szenen auch wirklich authentisch wären. Also machte ich noch vor dem Lektorat ein Falkner-Seminar bei der Falknerei Pierre Schmidt in Gymnich, bei dem nebenbei auch das schöne Foto entstand, das in der Buchklappe abgebildet ist (man sieht mich hier mit dem Gerfalken Arthos). Und wirklich flossen noch einige Erfahrungen aus dem Seminar in die Geschichte ein.

Lektorat, Titel und Cover

Bei diesem Buchprojekt hat mich ganz besonders gefreut, dass der Verlag mir inhaltlich und bezogen auf den Umfang des Buches einiges an Freiheit gelassen hat. Das ist im Kinder- und Jugendbereich nicht immer üblich und möglich. Auch bei der Ausstattung hat man sich bei Edel:Kids Books viel Mühe gegeben und nicht locker gelassen, bis das optimale Cover gefunden war. Als ich das Bild des endgültigen Covers zum ersten Mal sah, war ich tiefglücklich. Da wusste ich aber noch gar nicht, dass die Schrift dezent glänzt und der FALCON-Schriftzug durch Prägung hervorgehoben wird. Und wie sich das Buch anfühlt! Bevor ich jetzt weiter ins Schwärmen gerate, zeige ich euch lieber noch ein paar Fotos.

Erste Reaktionen

Seit ein paar Tagen ist FALCON: Gefahr aus der Luft auf dem Markt und die Buchhändler, mit denen ich bisher gesprochen habe, waren begeistert von dem schönen Cover, der originellen Plot-Idee und der großen Schrift. Letzteres ist wichtig, habe ich gelernt, nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Großmütter, Mütter und Väter. Warum? Weil sie oft ohne Lesebrille in den Buchladen gehen :-D. Jetzt bin ich sehr gespannt auf die ersten Leser-Reaktionen.

Infos zum Buch

Cover FALCON: Gefahr aus der Luft von Andrea Rings
Cover FALCON: Gefahr aus der Luft von Andrea Rings

Klappentext: Nach dem Umzug in die Großstadt ist für Lennart und seinen Falken Cosmo alles anders. Lennart wird das Gefühl nicht los, dass er beobachtet wird. Und wirklich: Beim Training holt Cosmo plötzlich eine Kamera-Drohne vom Himmel. Lennart und die technikbegeisterte Vietnamesin Mai, genannt Mia, beschließen der Sache auf den Grund zu gehen und stoßen dabei auf die geheimnisvolle Firma PEREGRIN. Als klar wird, dass die Firma ein heimtückisches Verbrechen plant, setzen die Kinder alles daran es zu verhindern. Ein höchst spannendes Duell zwischen Drohne und Falke beginnt!

Verlag: Edel:Kids Books – Ein Verlag der Edel Germany GmbH

Erscheinungsdatum: 4. März 2019

Projektkoordination und Lektorat: Mia König

Umschlaggestaltung: Isabelle Hirtz

Vermittelt durch: Sarah Haag, Keil & Keil Literatur-Agentur

Produktinformation

  • Broschiert: 320 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3961291004
  • ISBN-13: 978-3961291007
  • Empfohlenes Alter: 11 – 13 Jahre
  • Größe und/oder Gewicht: 14,7 x 3,2 x 21,1 cm
  • Preis: 12,99 € [D], 13,40 € [A]

Wo kaufen?

FALCON: Gefahr aus der Luft kann in allen Buchhandlungen und Online-Shops für Bücher bestellt und gekauft werden. Gerne weise ich auf den Autorenwelt-Shop hin. Signierte Exemplare bekommt man über die „Aktion Lieblingsbuch“ bei der Buchhandlung Barbers in Korschenbroich.

Schreibwerkstatt 2.0 in Erkelenz

Bildergeschichten schreiben

In der letzten Woche fand zum vierten Mal eine einwöchige Ferienschreibwerkstatt in Erkelenz statt und diesmal ging es um Bildergeschichten und Teamwork. Die Kinder sollten sich in Gruppen zusammenfinden, gemeinsam eine Geschichte entwickeln und sie in Bildern (mit oder ohne Text) erzählen. Die Fotos sollten mit eigenen Handys, Digitalkameras oder Tablets angefertigt werden. Dabei ging es natürlich um den Spaß des Geschichtenerfindens, aber ebenso um den sinnvollen und kreativen Einsatz der eigenen Geräte. Ein bisschen spielte also auch der Umgang mit Medien eine Rolle.

Als wir uns das Konzept ausdachten, stand ein weiterer Gedanke im Raum: Wir wollten die Hemmschwelle für das Format „Schreibwerkstatt“ senken. Viele Kinder möchten zwar Geschichten erzählen, tun sich aber mit dem Schreiben (noch) etwas schwer. Es war also ein Experiment, auf das wir uns da einließen und wir waren sehr gespannt.

Wir, das ist das bewährte Team: Kurt Lehmkuhl, Helmut Wichlatz, René Wagner und ich. Veranstalter ist das Jugendamt der Stadt Erkelenz und dort ist Jugendpflegerin Katharina Lüke für die Ferienangebote zuständig. Sie sorgte für die notwendigen Voraussetzungen und begleitete uns durch die Woche. Gefördert wird das Angebot vom Kulturrucksack NRW.

Montag

Wir sind in der Leonhardskapelle in Erkelenz. 16 Kinder sind angemeldet, vier Stellwände und ein Flipchart stehen bereit. Nach kurzer Überlegung, welche Art von Geschichten man erzählen könnte, bilden sich schon Gruppen. Halloween steht vor der Tür, die Ideen für Horror- und Gruselgeschichten sprudeln nur so. Wir schauen nicht schlecht, als ein Junge uns sein bevorzugtes Genre vorstellt: „Creepypasta“. Den Begriff kennt keiner, aber spontan nennen wir die Gruppe „Bunte Nudeln“. Erwartungsgemäß wird unser Vorschlag für eine Liebesgeschichte ignoriert, doch wir haben noch einen Joker im Ärmel: Wir dürfen Fotos in einer Schule machen, was natürlich in den Ferien für viele Kinder richtig spannend ist. Die vier Gruppen entwickeln in unglaublich kurzer Zeit Ideen für ihre Geschichten, erstellen Besetzungslisten und Storyboards. Der Spruch des Tages: „Appe Arme gibt’s bei Tedi.“ Ich ahne also Schreckliches und freue mich darauf.

Dienstag

„Appe Arme“ waren bei Tedi ausverkauft, aber das hindert junge Kreative natürlich nicht daran, trotzdem ihre Geschichtenidee umzusetzen. Michelle* hat einfach selbst einen Arm gebastelt und mit Kunstblut beschmiert. Diverse Masken und Verkleidungen werden ausgepackt, es wird geschminkt und gebastelt. Maja* hat sogar ein Bild gemalt, das ihre Gruppe für die Geschichte braucht.

Frauenportrait mit Kette

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, schwärmen wir in den Gruppen in die Stadt aus und machen die ersten Bilder. Ich darf in der Stadtbibliothek eine Bibliothekarin spielen, danach muss die Gruppe mit dem „ägyptischen Schulschatz“ in die Schule. Das Zeitfenster dort ist begrenzt, wir haben eine weitere Gruppe dort. Sie arbeiten an einer gruseligen Schulgeschichte. Aber ich muss weiter, ich begleite die Großen, die teilweise schon zum vierten Mal dabei sind. Sophia* hat sich zum Horrorclown verkleidet, es ist heiß, wir stellen Actionszenen. Ich mache zur Sicherheit ebenfalls Fotos, diese Szenen kann man nicht so einfach wiederholen. Aber ich habe es mit Profis zu tun, meine Bilder werden nicht gebraucht. Zum Schluss stirbt der Horrorclown sehr effektvoll auf dem alten, stillgelegten Friedhof (aber natürlich nicht so ganz ;-)).

Die zehnjährige Leonie* kann sich mit all den Horror-, Grusel- und Abenteuergeschichten nicht anfreunden, sie würde gerne eine Tiergeschichte erzählen. Zudem war sie nicht dabei, als sich die Gruppen am Vortag gefunden haben. Ich bin skeptisch, wo soll man passende Tierbilder herbekommen? Sie ist einen Tag später dran mit ihrer Planung und ganz allein. Aber ich habe die Rechnung nicht mit Leonie* gemacht. Sie setzt sich mit Feuereifer hin und schreibt einen Plan für ihre Geschichte. „Ich bringe einfach meine Stofftiere mit“, verspricht sie und wir sind gespannt auf den nächsten Tag.

Mittwoch

Schock im Foyer der Leonhardskapelle: Michelle* hat sich eine horrormäßige Wunde auf die Wange geschminkt. Sie hat schwarze Knetgummi-Krusten aufgeklebt und mit Kunstblut bemalt. Ihre Gruppe möchte heute ins Erkelenzer Krankenhaus, um dort Fotos zu stellen. Die Gesichter dort hätte ich gerne gesehen, aber ich werde an anderer Stelle gebraucht. Die Horrorclown-Gruppe benötigt noch ein Foto eines Autounfalls, bei dem eines der Mädchen am Steuer sitzen muss. Wir wollen diese Szene mit meinem alten Golf auf dem Schulhof der Hauptschule nachstellen. Und dann ist da noch Leonie*. Sie hat ihre Stofftiere dabei, sie sind zuckersüß. Ihre Geschichte möchte sie in Anlehnung an ihr Lieblingsbuch erzählen: „An der Arche um Acht“ von Ulrich Hub.

Wir fotografieren noch schnell ihren Plan, der anspruchsvolle 22 Bilder vorsieht, und machen uns auf den Weg. Eigentlich brauchen wir eine Arche, aber es gibt keine Boote in Erkelenz, auch nicht als Spielgerät auf Spielplätzen. Die Zeit drängt, wir entschließen uns einfach, eine blaue Bank zu nehmen. Während die großen Mädchen ihr Autounfall-Foto stellen, mache ich mit Leonie* die Fotos von ihren Kuscheltieren. Sie hat sich für einen Comic-Style entschieden, den wir mit einer App auf dem IPad leicht erzeugen können. Die ersten Testfotos sind großartig und wir haben schaffen es tatsächlich, ihre geplanten 22 Bilder zu machen. Am Ende des Tages ist nicht mal Zeit für einen richtigen Stuhlkreis in der Leonhardkapelle. Dabei hätte ich so gerne gehört, was im Krankenhaus los war.

Donnerstag

Alle Bilder sind gemacht, heute muss eine Auswahl getroffen werden. Das ist gar nicht so einfach, die Geschichten sollen kurz und knackig sein. Auch die Texte dürfen nicht zu lang sein. Einige Kinder wollen Textkästen und/oder Sprechblasen einfügen, andere möchten ihren Text zu den Bildern bei der Präsentation am Freitag vortragen. In der Leonhardskapelle sind vier Rechner aufgebaut, wir Betreuer basteln an den Bildern, während die Kinder hinter uns stehen und uns erklären, wie und wo der Text eingefügt werden muss. Diejenigen, die gerade keinen Platz am Rechner haben, erzählen von ihren Erlebnissen der beiden letzten Tage und zeigen stolz ihre Fotos. Überall leuchtende Gesichter. Die Kinder sind heiß darauf, ihre Geschichte am nächsten Tag vor den Eltern und Freunden zu präsentieren.

Freitag

14:00 Uhr und erst zwei Geschichten sind fertig. Um 16:00 Uhr kommen die Eltern, die Bestuhlung in der Leonhardskapelle ist schon auf die Bühne ausgerichtet, der Beamer ist aufgestellt. Bei den vorherigen Schreibwerkstätten hatten immer wir ausgiebig Zeit, die Kinder auf die Präsentation vorzubereiten, aber heute muss es ohne gehen. Bis 15:55 Uhr sind wir damit beschäftigt, die Bildergeschichten am Rechner fertigzustellen. Die ersten Eltern sitzen schon auf ihren Plätzen, als ich die SD-Karte mit der finalen Fassung der letzten Geschichte an René weiterreiche. Wir Betreuer improvisieren bei der Präsentation, wir sind ein eingespieltes Team, aber die Kinder überraschen mich wieder einmal. Sie haben sich selbst organisiert und präsentieren ihre Geschichten wie echte Profis. Alle haben Text, jeder kommt zum Zug, die Wechsel funktionieren problemlos, die Lacher kommen an der richtigen Stelle – es ist wie Zauberei. Und überhaupt, die Geschichten! Insgesamt sind in der Woche sechs Bildergeschichten entstanden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Liebesgeschichte ist auch dabei, die Gruppe mit der gruseligen Mäuse-Schulgeschichte hat sich noch eine zweite Story mit ihren Mäusen ausgedacht.

Passend zu ihren Themen haben die Gruppen sich für realistische oder Comic-Bilder entschieden. Natürlich berichten die Kinder auch von ihren Erlebnissen. Der Horrorclown hat kleine Jungs erschreckt und im Krankenhaus waren die vorbeieilenden Ärzte immer kurz davor, die scheinbar verletzte Michelle* anzusprechen. Es hat den Kindern Spaß gemacht, in ihrer Heimatstadt für ein bisschen Aufregung zu sorgen. Nach einer Stunde ist alles vorbei, die Kinder verabschieden sich und ziehen mit ihren Familien davon.

Nachlese

Wir machen im Anschluss mit Katharina Lüke noch ein bisschen Nachlese und sind uns einig, dass es eine sehr gelungene Projektwoche war. Vor allem hat es unglaublich viel Spaß gemacht. Plötzlich fällt uns auf, dass wir die Urkunde vergessen haben. Autsch! Aber die Kinder werden bald Post vom Jugendamt bekommen. Wir erstellen jedes Mal eine Broschüre, in der alle Geschichten enthalten sind und da können wir die Urkunde mitverschicken. Puh, gerettet. Wir schwärmen noch ein bisschen von der Gruppendynamik, die nicht nur in den Kleingruppen super funktioniert hat. Die gesamte Gruppe hat toll zusammen gearbeitet, sich gegenseitig unterstützt und Feedback gegeben. Aber uns fällt auch auf, dass es ganz schön anstrengend war. Während wir in den bisherigen Schreibwerkstätten manchmal Zeiten hatten, in denen sich die Kinder still zum Schreiben zurückzogen, waren wir diesmal in jeder Minute gefordert und haben auch über die eigentliche Zeit hinaus zuhause Bilder bearbeitet. Aber es hat sich gelohnt, alle haben viel aus der Woche mitgenommen. Ich selbst bin übrigens gerade im Comic-Wahn. Aber das ist ein anderes Thema und wenn es jemals zu etwas führen sollte, werde ich hier natürlich darüber berichten.

*alle Kindernamen geändert

Schreiburlaub auf dem Thomeshof

Sei so beschäftigt, deinen Roman zu schreiben, dass du keine Zeit hast, darüber zu schreiben, dass du einen Roman schreibst

Ein Zitat von Ryan Holiday. Ungefähr so geht es mir in den letzten Wochen. Mein neues Buch wird ein Thriller, im August ist Abgabe und diesmal ist die Zeit knapp bemessen. Aber ich wollte es so, wollte ausprobieren wie es läuft, wenn ich unter Zeitdruck schreiben muss. Da kann man schon mal nervös werden, zumal mir immer andere Projekte dazwischenfunken. Vielleicht kennt ihr das, eigentlich solltet ihr an eurem Projekt arbeiten, aber plötzlich drängt sich ein bestimmtes Thema in den Vordergrund und winkt mit einer großen Fahne: TOLLE PROJEKTIDEE! Da will ich wenigstens die mühelos fließenden Ideen kurz aufschreiben und schon bin ich mit den Gedanken im völlig anderen Film. Die Kreativität sprüht, ich frage mich, warum nicht fürs eigentlich wichtige Manuskript. Aber dann vertraue ich doch dem Fluss und ahne, dass mich das irgendwo hinbringen wird, wo ich auch wirklich sein möchte.

Anders die vielen Termine, die von außen bestimmt werden. In der letzten Zeit waren es nicht wenige und auch in den nächsten Wochen wird es einige geben. Wichtige Geburtstage. Das normale Leben. Für Außenstehende ist nicht erkennbar, dass ich gerade an einem Showdown bastle und dafür meinen ganzen Kopf brauche. Und selbst wenn, sie wollen gesehen werden, sich mitteilen, haben Hunger und finden, man könnte doch mal wieder Socken waschen. Die Welt um mich herum bleibt nicht stehen, nur weil ich beschlossen habe auszuprobieren, ob ich unter Druck schreiben kann. Hab ich auch nicht wirklich erwartet.

 

Der Thomeshof

Ein bisschen ist es eine Flucht. Für sechs Tage ist noch was frei, ich reise mit dem Fahrrad an. Nur eine gute Stunde dauert die Fahrt, ich bin also immer noch am Niederrhein. Keine völlig neue Landschaft, die mich verführt, sie zu erkunden. Alles ist mir vertraut, die Pferdekoppeln und Kopfweiden, die Nebelschleier morgens auf Feldern und Wiesen, der Geruch nach Heu und Mist. Es ist Mitte Juni. Hier war ich schon zweimal, habe bei Projekten den Turbo eingeschaltet und mich freigeschrieben. Natürlich klappt es auch diesmal, was soll ich es spannend machen.

Das Leben hier ist einfach, ich habe eine großzügige Schreibstube und darf den Hof und die diversen Sitzmöglichkeiten nutzen. Die Holzdielen knarren, die Pferde wiehern, die beiden Katzen sitzen abwechselnd vor meiner Tür und mauzen. Ich gehe barfuß, wenn ich nicht gerade eine Runde mit dem Fahrrad drehe. Niemand stört sich daran, wenn ich (wie jetzt) mitten in der Nacht aufstehe, Licht anmache und schnell ein paar Wörter in die Tasten haue. Bei „Oma Timmermanns„, in dem nahegelegenen rietgedeckten Gasthof, gibt es auch Bratkatoffeln ohne Speck für mich. Sie kennen mich schon mit meinem Schreibblock und dem obligatorischen grünen Stift.

Ein Zeitungsartikel

Die Welt draußen dreht sich weiter. Wenn ich der Geräuschkulisse fremder Fernseher und ihrer Zuschauer glauben darf, haben wir eine mäßig spannende Fußballweltmeisterschaft. Ich weiß nicht mal, ob die beiden TV-Geräte in meinem Domizil auch funktionieren. Derweil erscheint zuhause ein schönes Zeitungsinterview über mich. Einer der vielen Termine in den letzten Wochen. Prima, denke ich, da brauch ich ja nichts mehr über mein neues Projekt erzählen. Und über mich schon gar nicht. Ich lese meiner Mutter den Artikel am Telefon vor und sie ruft fast schon empört: „Die wissen ja alles über dich!“ Nun ja, so ist es zum Glück natürlich nicht.

Fazit

So ein Schreiburlaub ist nicht die pure Entspannung. An den ersten Tagen will ich die Zeit unbedingt ausnutzen und schaffe viel weniger, als ich mir vorgenommen habe. Aber dann wird es leichter, ich nehme es, wie es kommt. Arbeit und Leben verbinden sich wieder zu einer Einheit. Und plötzlich geht was. Zum ersten Mal komme ich in den Luxus, mit einer Katze zu Füßen schreiben zu dürfen. Ich ahne, wie sehr es die vielen Koleginnen und Kollegen inspiriert, die auf Facebook ihre Katzen neben dem Laptop schlafend zeigen.

Am Ende ist der Showdown immer noch nicht geschrieben, aber ich bin ihm gefährlich nahe gekommen. Auch wenn ich mich auf meine Familie freue – ein bisschen traurig bin ich schon, mein Autorenferienleben wieder aufgeben zu müssen.

Als meine Kinder ein China-Loch buddelten

Keine Ruheräume, keine freie Zeit

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich von der Podiumsdiskussion zum Thema „Lesen im 21. Jahrhundert“ auf der Leipziger Buchmesse berichtet. Es gab einige Reaktionen und ausnahmslos alle bezogen sich auf die Frage von Kinderbuchautor Andreas Schlüter, wann und wo Kinder denn heute lesen sollen. Seiner Erfahrung nach seien sie oft den ganzen Tag in der Schule und dort gäbe es keine Ruheräume. Das Thema bewegt also. Auch mich, aber nicht nur wegen des Lesens.

Wann hat es angefangen, dass Kinder ganztags beaufsichtigt waren? Weiterlesen