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Autorenleben

Mein Autorenjahr 2019

Adieu 2019 – Hallo 2020

Die Zeit fliegt dahin. Oft habe ich das Gefühl, dass schon wieder ein Tag um ist und ich nicht wirklich vorangekommen bin mit dem, was ich eigentlich tun wollte. Wenn ich dann aber zurückblicke, ist ganz schön viel passiert. Auf Facebook und immer regelmäßiger auf Instagram erzähle ich davon, aber hier auf meiner Homepage habe ich keine Rubrik, in der ich regelmäßig über Neuigkeiten berichte. Deshalb gibt es zum Jahreswechsel mal einen Überblick, was bei mir im Autorenjahr 2019 los war und was im nächsten Jahr ansteht.

FALCON: Gefahr aus der Luft

Das wichtigste berufliche Ereignis zuerst: Im März ist mein zweiter Roman bei Edel:Kids books erschienen. Ein Thriller für Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren, ein echtes Herzensprojekt. Falke gegen Drohne, Technik gegen Natur, Hochspannung pur. Von Anfang an wurde „FALCON: Gefahr aus der Luft“ gut besprochen und das Buch lag überall in den Buchhandlungen auf Stapeln – also so, wie man sich das als Kinder- und Jugendbuchautorin wünscht und wie es längst nicht selbstverständlich ist.

Cover FALCON Gefahr aus der Luft

Kurz vor Weihnachten kam eine überraschende Nachtricht: „FALCON: Gefahr aus der Luft“ steht auf der Longlist zum Glauser-Preis für den besten Jugendkriminalroman! Ich freue mich riesig und fühle tiefe Dankbarkeit. Drückt mir die Daumen, am 2. Februar kommt die Shortlist raus! Die aktuellen Entwicklungen kann man auf der SYNDIKAT-Seite oder auf dem Blog meiner Kollegin Christina Bacher verfolgen.

Die Bücher auf der Longlist zum Jugendkrimi-Glauser 2020
Die 7 Bücher, die es auf die Longlist des Glauser-Preises für den besten Jugendkrimi 2020 geschafft haben (Foto von Erich Weidinger)

Literatur-Institutionen

Mit den Büchern klappt es nicht immer so, wie man sich das wünscht. Seit Jahren wartet ein Jugendroman in der Schublade auf Veröffentlichung. Detailliert ausgearbeitete Kinderbuchprojekte fanden trotz des großen Engagements meiner Agentin bisher keine Verlagsheimat. Für das Jahr 2019 hatte ich mir vorgenommen, an einer anderen Stelle voranzukommen. Mit dem zweiten veröffentlichten Buch hat man gute Chancen, in den Listen der Institutionen aufgenommen zu werden, die Künstler vermitteln und/oder Projekte der kulturellen Bildung fördern. Im Frühjahr habe ich mich also bei einigen Institutionen beworben und wurde in allen Fällen angenommen! Eine Schreibwerkstatt habe ich schon mit dem Programm von schreibland.nrw durchgeführt und eine vom Friedrich-Bödecker-Kreis NRW geförderte Lesung ist auch schon gebucht. Außerdem bin ich jetzt auf den Literatur-Portalen Literaturport und Kulturserver NRW vertreten.

Mein erstes Sachbuch

Aktuell darf ich zum ersten Mal ein Sachbuch für Jugendliche schreiben. Es geht um das Thema Klima und richtet sich an Menschen ab 14 Jahren. Eine echte Herzensangelegenheit! Aber ich erzähle nicht so gerne von halbfertigen Buchprojekten. Im Herbst 2020 erscheint das Buch, dann erfahrt ihr mehr.

Autorengemeinschaft

Das Beste am Autorenleben sind die vielen netten Autorenkolleg*innen! Wir sind über Foren und Facebook immer im Austausch, aber die Highlights sind natürlich die Treffen. Im April war ich beim Treffen des Kinderbuchautorenforums Schreibwelt. Beim Kinderbuchautorenstammtisch Köln hat es in diesem Jahr zweimal geklappt. Am Rhein-Ruhr-Montségur-Autorenstammtisch im Unperfekthaus in Essen konnte ich in diesem Jahr auch zweimal teilnehmen und im September gab es mal wieder ein großes Treffen der Montségur-Autoren in Oberursel. Ganz besonders war meine Teilnahme beim Hamburger Vorlesevergnügen. Das Lesefestival wird von Autorenkolleg*innen organisiert und es gibt in der gesamten Zeit einen Autorenstammtisch für die teilnehmenden Autor*innen auf einem Alsterschiff. Ein unvergesslicher Abend!

Premierenlesung von „FALCON: Gefahr aus der Luft“ im Rahmen des Hamburger Vorlesevergnügens

Beim Bundeskongress Kinderbuch am 18. Oktober in Frankfurt war ich Mitglied des Orga-Teams. Diesmal gab es nicht nur den Kongress mit Podiumsdiskussion und viel Austausch, sondern auch im Anschluss eine Party. So toll! Ich freue mich jetzt schon riesig auf die Party im nächsten Jahr. Nicht vergessen möchte ich meine Lesegruppe, mit der ich mich regelmäßig treffe und über gemeinsam gelesene Bücher diskutiere. So lese ich immer wieder Bücher, die ich mir selbst nie ausgesucht hätte. Was für tolle Menschen, denen ich in diesem Jahr durch das Schreiben und Lesen begegnet bin! Danke an euch alle, ihr seid so inspirierend und bereichernd.

Schreibwerkstätten 2019

Seit Jahren führen wir als Vierer-Team in den Sommerferien eine einwöchige Schreibwerkstatt in Erkelenz durch. Anfangs hätte ich das gar nicht vermutet, aber hier habe ich ein echtes Talent bei mir entdeckt. Es macht mir so viel Freude, mit den Kindern und Jugendlichen an ihren Texten zu arbeiten! Gestärkt durch diese Erfahrung habe ich mich in diesem Jahr zum ersten Mal getraut, alleine Schreibwerkstätten anzubieten und auch die Abschlussveranstaltung zu moderieren. Das schönste Kompliment kam von einer Lehrerin in Nettetal: „Sie holen wirklich das Beste aus jedem Jugendlichen raus.“

Schreibwerkstatt in der Stadtbücherei Nettetal

Plötzlich Selfpublisherin

Im Sommer kam die Nachricht von meinem Verlag: Mein Erstling „PARKOUR – Nur die Wahrheit ist unbezwingbar“ sollte verramscht werden. Was tun? Ich wollte mein Buch weiterhin verfügbar halten und so entschloss ich mich, ein e-book von PARKOUR herauszugeben. Laura Newman machte mir ein wunderschönes neues Cover und seit Juli ist mein Buch bei AMAZON erhältlich. Eine schöne Erfahrung, die mir aber auch gezeigt hat, dass ich eher nicht als Selfpublisherin unterwegs sein möchte.Cover e-book PARKOUR Übrigens habe ich noch einige Exemplare des Original-Buchs. Wer es signiert und zu einem vergünstigten Preis kaufen möchte, darf sich gerne bei mir melden.

Eine Lesungsagentin

Seit diesem Jahr habe ich mit Charlotte Zeiler eine Lesungsagentin. Die ersten Lesungen sind schon fürs nächste Jahr gebucht, ich freue mich über die schöne Zusammenarbeit.

MG-act

In Mönchengladbach ist was los! Auf der Jugendseite MG-act machen junge Leute Programm. Da kann ein bisschen Unterstützung und Anleitung nicht schaden, hat man sich im Kulturbüro Mönchengladbach gedacht. Seit kurzem leite ich mit viel Freude eine Jugendredaktion am Maria-Lenssen-Berufskolleg, im nächsten Jahr soll außerdem eine freie Redaktion aufgebaut werden. Es wird monatliche Treffen im Jugendzentrum Jukomm geben, außerdem sechs separate Workshops. Wir suchen noch junge Leute aus Mönchengladbach, die mitmachen möchten! Schreiben, Fotografieren, Filmen, eine Kollumne, eine Rezension – vieles ist möglich. Die regelmäßige Teilnahme wäre toll, ist aber nicht Voraussetzung. Wenn jemand ein einzelnes Thema hat, über das er/sie gerne auf unserer Jugendseite berichten möchte, ist er/sie auch herzlich willkommen.

Hörtheater Erkelenz

Eigentlich ist das ein Hobby. Seit einigen Jahren treten wir als Gruppe mit klassischen Stücken auf, in diesem Jahr haben wir „Drei Männer im Schnee“ und „Romeo und Julia“ gespielt. Highlight war die Aufführung von „Drei Männer im Schnee“ am 15. November im Schacht 3 in Hückelhoven. Eine tolle Atmosphäre! Wer die Aufführungen im nächsten Jahr nicht verpassen will, findet die Termine auf meiner Homepage oder unter DeinErkelenz.de.

Aufführung von „3 Männer im Schnee“ im Schacht 3 in Hückelhoven

Ein neues Hobby

Sie heißt Gwendolyn. Es war Liebe auf den ersten Blick. Also bei mir. Ich weiß noch nicht so genau, wie sie zu mir steht. Alles fing mit einem Schnupperkurs in der VHS an und dann entdeckte ich diese keltische Harfe bei Ebay Kleinanzeigen. Gwendolyn. Wir sind ein Dream-Team. Hat nicht wirklich was mit dem Schreiben zu tun, ich weiß. Aber es tut gut, auch andere Wege zu gehen, die mit Kreativität verbunden sind.

Schreibwerkstätten 2020

Für 2020 kommen schöne Projekte auf mich zu. Es geht gleich im Januar los, schaut gerne mal in die Termine. Ganz spannend ist eine Schreibwerkstatt im Museum Krefeld ab dem 18. Januar, die sich an ältere Jugendliche ab 14 Jahren richtet. Am 23. Januar darf ich die Abschlussveranstaltung der Nettetaler Schreibwerkstatt im Rahmen der Blauen Stunde moderieren. Weitere Schreibwerkstätten bei der ÖJE (Ökumenische Jugend Eicken, Mönchengladbach), in Erkelenz und Nettetal sind geplant. Die Förderanträge wurden eingereicht und nun warten wir, ob sie genehmigt werden.

Country Comics

Comicschreibwerkstatt

Als ich im Frühjahr ein Konzept für eine digitale Comicwerkstatt schrieb und etwas großspurig dieses Foto aufs Deckblatt setzte, ahnte ich noch nicht, dass da wirklich was Großes auf mich zukommen könnte. Die LAG Kunst und Medien interessierte sich für das Projekt und gemeinsam mit dem Kulturbüro Mönchengladbach haben wir uns zusammengesetzt und daraus ein Großprojekt gestrickt. Im Hintergrund wird schon ganz viel organisiert, denn wenn der Förderantrag im April genehmigt werden sollte, muss schon alles fertig geplant sein.

Mitglied in einer Jury

Ich weiß gar nicht, ob ich schon darüber berichten darf, daher nenne ich mal lieber keine Namen. Ich bin gefragt worden, ob ich in der Jury für einen Literaturpreis sitzen möchte und habe gerne zugesagt. Eine neue spannende Aufgabe, auf die ich mich total freue. Ich hab aber auch einen Heidenrespekt davor. Was da wohl auf mich zukommt?

Mein privates Lieblingsprojekt

Als ich vor 26 Jahren nach Mönchengladbach kam, entdeckte ich schnell meine Liebe zum ländlichen Niederrhein. Besonders das Schwalm-Nette-Gebiet mit seinen Bächen, Seen und Wäldern hat es mir angetan. Wenn der Nebel morgens über die Pferdekoppel wabert, die Weiden am Wegesrand mir ihre Köpfe entgegenstrecken und das türkisblaue Wasser des Venekotensees durch die Bäume schimmert, bedeutet das für mich Glück. Mein Traum war immer ein Haus inmitten der Natur, an dem ich ungestört schreiben kann. Dort gibt es einen Campingplatz, auf dem im November Fundamente für ein Holzhaus angelegt wurden. Das Holz ist bestellt, ich bin der Erfüllung meines Traums ganz nah.

Natur- und Landschaftsführerin

Endlich wird im Jahr 2020 wieder der Lehrgang zum Natur- und Landschaftsführer angeboten und diesmal liegen die Termine für mich ideal. Das wollte ich schon lange machen und ich hoffe also, dass ich einen Platz bekomme. So ganz genau weiß ich noch nicht, was ich mit dieser Ausbildung machen werde, aber da ich diesen Traum schon lange habe, wird es einen Grund geben. Manchmal lichten sich die Nebel, wenn man einen Weg einfach mal geht.

Alles Gute für 2020

Wenn ihr bis hierher durchgehalten habt, seid ihr echte Fans! Ganz herzlichen Dank für das Interesse. Ich würde mich freuen, euch auch im nächsten Jahr wieder auf meinem Blog oder vielleicht bei Facebook oder Instagram begrüßen zu dürfen. Ich wünsche euch ein guten Übergang ins neue Jahrzehnt und viel Glück, Liebe und Gesundheit für das Jahr 2020.

Eure Andrea

Autoren Dingsda – Update

Wie alles begann…

Nachdem ich im September 2014 mein erstes Jugendbuch veröffentlicht hatte, tauchte ich erstmals in die Buchwelt ein und erlebte so manche Diskussion zu Problemen im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur. Das Thema packte mich, ich wollte irgendetwas beitragen und gründete Anfang 2017 den YouTube-Kanal Autoren Dingsda, auf dem Kinder- und Jugendbuchautor*innen ihre Bücher vorstellen konnten. Ich hatte auf ein Gemeinschaftsprojekt gehofft, aber dazu kam es nicht. So startete ich allein mit Elan, hatte Spaß an der Technik, am Design und vor allem an den Gästen, die ich mir einlud. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon länger ein kleines, externes Büro angemietet – ideal für die Dreharbeiten und um Kolleg*innen dort übernachten zu lassen.

…was dann passierte…

Zur Buchmesse 2017 wurde der Bundeskongress Kinderbuch (BuKo) als Zusammenschluss deutschsprachiger Kinder- und Jugendbuchautor*innen gegründet. Ich war bei der Gründung dabei und glücklich, dass es endlich eine Vereinigung gab, die sich für unsere Interessen stark machte. Ende 2017 musste ich mein externes Büro aufgeben. Ich richtete mir ein Kellerbüro ein, aber im Grunde ziehe ich wie früher mit dem Laptop umher und suche einen Platz, an dem ich in Ruhe arbeiten kann. Dreharbeiten oder Übernachtungen von Besuchern waren nun nicht mehr möglich. Immerhin, so dachte ich, trifft man die Kolleg*innen häufig im Jahr bei Buchmessen, Tagungen, Stammtischen und beim Bundeskongress. Bei diesen Gelegenheiten könnte man doch leicht mal ein Buch ins Bild zu halten und ein paar Worte dazu zu sagen. Aber so einfach war es dann doch nicht. Ich merkte selbst, wie sehr solche Unterbrechungen störten und wie es mich stresste. Also machte ich erst mal keine Videos mehr. Im Frühjahr 2018 war ich an der Organisation der Podiumsdiskussion des BuKo zum Thema „Lesen im 21. Jahrhundert“ beteiligt, in diesem Jahr bin ich im Orga-Team für den Bundeskongress. Ich fand Möglichkeiten, mich zu engagieren und vermisste meinen YouTube-Kanal nicht.

…und wie es nun weitergeht

Nachdem ich nun fast zwei Jahre kaum Inhalte für den Kanal produziert habe, stellte ich mir in den letzten Wochen häufiger die Frage, wie ich mit dem Projekt weitermachen will. Dass mein Herz noch immer daran hängt, spürte ich, als ich vor ein paar Tagen das Instagram-Konto autorendingsda umbenannte. Es fühlte sich falsch an, wie eine Täuschung der Follower. Ich habe schnell den alten Namen wieder angenommen. Aber ich weiß auch, dass ich im kommenden Jahr keine Zeit für das Projekt haben werde. Zwei Bücher warten darauf geschrieben zu werden. Ich habe die Betreuung zweier Jugendredaktionen übernommen und gebe so viele Workshops wie noch nie. Den Facebook-Kanal zum Projekt habe ich erst mal offline gestellt. Der YouTube-Kanal Autoren Dingsda bleibt vorläufig online, wenn auch inaktiv. Aber auf Instagram hab ich grad richtig Lust. Und deshalb habe ich beschlossen, dort weiter zu machen. Es wird persönlicher, aber ich hoffe auch zwischendurch kleine Beiträge mit meinen Autorenkolleg*innen und zu ihren Büchern machen zu können.

Instagram-Profil von autorendingsda

Schreibwerkstatt 2.0 in Erkelenz

Bildergeschichten schreiben

In der letzten Woche fand zum vierten Mal eine einwöchige Ferienschreibwerkstatt in Erkelenz statt und diesmal ging es um Bildergeschichten und Teamwork. Die Kinder sollten sich in Gruppen zusammenfinden, gemeinsam eine Geschichte entwickeln und sie in Bildern (mit oder ohne Text) erzählen. Die Fotos sollten mit eigenen Handys, Digitalkameras oder Tablets angefertigt werden. Dabei ging es natürlich um den Spaß des Geschichtenerfindens, aber ebenso um den sinnvollen und kreativen Einsatz der eigenen Geräte. Ein bisschen spielte also auch der Umgang mit Medien eine Rolle.

Als wir uns das Konzept ausdachten, stand ein weiterer Gedanke im Raum: Wir wollten die Hemmschwelle für das Format „Schreibwerkstatt“ senken. Viele Kinder möchten zwar Geschichten erzählen, tun sich aber mit dem Schreiben (noch) etwas schwer. Es war also ein Experiment, auf das wir uns da einließen und wir waren sehr gespannt.

Wir, das ist das bewährte Team: Kurt Lehmkuhl, Helmut Wichlatz, René Wagner und ich. Veranstalter ist das Jugendamt der Stadt Erkelenz und dort ist Jugendpflegerin Katharina Lüke für die Ferienangebote zuständig. Sie sorgte für die notwendigen Voraussetzungen und begleitete uns durch die Woche. Gefördert wird das Angebot vom Kulturrucksack NRW.

Montag

Wir sind in der Leonhardskapelle in Erkelenz. 16 Kinder sind angemeldet, vier Stellwände und ein Flipchart stehen bereit. Nach kurzer Überlegung, welche Art von Geschichten man erzählen könnte, bilden sich schon Gruppen. Halloween steht vor der Tür, die Ideen für Horror- und Gruselgeschichten sprudeln nur so. Wir schauen nicht schlecht, als ein Junge uns sein bevorzugtes Genre vorstellt: „Creepypasta“. Den Begriff kennt keiner, aber spontan nennen wir die Gruppe „Bunte Nudeln“. Erwartungsgemäß wird unser Vorschlag für eine Liebesgeschichte ignoriert, doch wir haben noch einen Joker im Ärmel: Wir dürfen Fotos in einer Schule machen, was natürlich in den Ferien für viele Kinder richtig spannend ist. Die vier Gruppen entwickeln in unglaublich kurzer Zeit Ideen für ihre Geschichten, erstellen Besetzungslisten und Storyboards. Der Spruch des Tages: „Appe Arme gibt’s bei Tedi.“ Ich ahne also Schreckliches und freue mich darauf.

Dienstag

„Appe Arme“ waren bei Tedi ausverkauft, aber das hindert junge Kreative natürlich nicht daran, trotzdem ihre Geschichtenidee umzusetzen. Michelle* hat einfach selbst einen Arm gebastelt und mit Kunstblut beschmiert. Diverse Masken und Verkleidungen werden ausgepackt, es wird geschminkt und gebastelt. Maja* hat sogar ein Bild gemalt, das ihre Gruppe für die Geschichte braucht.

Frauenportrait mit Kette

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, schwärmen wir in den Gruppen in die Stadt aus und machen die ersten Bilder. Ich darf in der Stadtbibliothek eine Bibliothekarin spielen, danach muss die Gruppe mit dem „ägyptischen Schulschatz“ in die Schule. Das Zeitfenster dort ist begrenzt, wir haben eine weitere Gruppe dort. Sie arbeiten an einer gruseligen Schulgeschichte. Aber ich muss weiter, ich begleite die Großen, die teilweise schon zum vierten Mal dabei sind. Sophia* hat sich zum Horrorclown verkleidet, es ist heiß, wir stellen Actionszenen. Ich mache zur Sicherheit ebenfalls Fotos, diese Szenen kann man nicht so einfach wiederholen. Aber ich habe es mit Profis zu tun, meine Bilder werden nicht gebraucht. Zum Schluss stirbt der Horrorclown sehr effektvoll auf dem alten, stillgelegten Friedhof (aber natürlich nicht so ganz ;-)).

Die zehnjährige Leonie* kann sich mit all den Horror-, Grusel- und Abenteuergeschichten nicht anfreunden, sie würde gerne eine Tiergeschichte erzählen. Zudem war sie nicht dabei, als sich die Gruppen am Vortag gefunden haben. Ich bin skeptisch, wo soll man passende Tierbilder herbekommen? Sie ist einen Tag später dran mit ihrer Planung und ganz allein. Aber ich habe die Rechnung nicht mit Leonie* gemacht. Sie setzt sich mit Feuereifer hin und schreibt einen Plan für ihre Geschichte. „Ich bringe einfach meine Stofftiere mit“, verspricht sie und wir sind gespannt auf den nächsten Tag.

Mittwoch

Schock im Foyer der Leonhardskapelle: Michelle* hat sich eine horrormäßige Wunde auf die Wange geschminkt. Sie hat schwarze Knetgummi-Krusten aufgeklebt und mit Kunstblut bemalt. Ihre Gruppe möchte heute ins Erkelenzer Krankenhaus, um dort Fotos zu stellen. Die Gesichter dort hätte ich gerne gesehen, aber ich werde an anderer Stelle gebraucht. Die Horrorclown-Gruppe benötigt noch ein Foto eines Autounfalls, bei dem eines der Mädchen am Steuer sitzen muss. Wir wollen diese Szene mit meinem alten Golf auf dem Schulhof der Hauptschule nachstellen. Und dann ist da noch Leonie*. Sie hat ihre Stofftiere dabei, sie sind zuckersüß. Ihre Geschichte möchte sie in Anlehnung an ihr Lieblingsbuch erzählen: „An der Arche um Acht“ von Ulrich Hub.

Wir fotografieren noch schnell ihren Plan, der anspruchsvolle 22 Bilder vorsieht, und machen uns auf den Weg. Eigentlich brauchen wir eine Arche, aber es gibt keine Boote in Erkelenz, auch nicht als Spielgerät auf Spielplätzen. Die Zeit drängt, wir entschließen uns einfach, eine blaue Bank zu nehmen. Während die großen Mädchen ihr Autounfall-Foto stellen, mache ich mit Leonie* die Fotos von ihren Kuscheltieren. Sie hat sich für einen Comic-Style entschieden, den wir mit einer App auf dem IPad leicht erzeugen können. Die ersten Testfotos sind großartig und wir haben schaffen es tatsächlich, ihre geplanten 22 Bilder zu machen. Am Ende des Tages ist nicht mal Zeit für einen richtigen Stuhlkreis in der Leonhardkapelle. Dabei hätte ich so gerne gehört, was im Krankenhaus los war.

Donnerstag

Alle Bilder sind gemacht, heute muss eine Auswahl getroffen werden. Das ist gar nicht so einfach, die Geschichten sollen kurz und knackig sein. Auch die Texte dürfen nicht zu lang sein. Einige Kinder wollen Textkästen und/oder Sprechblasen einfügen, andere möchten ihren Text zu den Bildern bei der Präsentation am Freitag vortragen. In der Leonhardskapelle sind vier Rechner aufgebaut, wir Betreuer basteln an den Bildern, während die Kinder hinter uns stehen und uns erklären, wie und wo der Text eingefügt werden muss. Diejenigen, die gerade keinen Platz am Rechner haben, erzählen von ihren Erlebnissen der beiden letzten Tage und zeigen stolz ihre Fotos. Überall leuchtende Gesichter. Die Kinder sind heiß darauf, ihre Geschichte am nächsten Tag vor den Eltern und Freunden zu präsentieren.

Freitag

14:00 Uhr und erst zwei Geschichten sind fertig. Um 16:00 Uhr kommen die Eltern, die Bestuhlung in der Leonhardskapelle ist schon auf die Bühne ausgerichtet, der Beamer ist aufgestellt. Bei den vorherigen Schreibwerkstätten hatten immer wir ausgiebig Zeit, die Kinder auf die Präsentation vorzubereiten, aber heute muss es ohne gehen. Bis 15:55 Uhr sind wir damit beschäftigt, die Bildergeschichten am Rechner fertigzustellen. Die ersten Eltern sitzen schon auf ihren Plätzen, als ich die SD-Karte mit der finalen Fassung der letzten Geschichte an René weiterreiche. Wir Betreuer improvisieren bei der Präsentation, wir sind ein eingespieltes Team, aber die Kinder überraschen mich wieder einmal. Sie haben sich selbst organisiert und präsentieren ihre Geschichten wie echte Profis. Alle haben Text, jeder kommt zum Zug, die Wechsel funktionieren problemlos, die Lacher kommen an der richtigen Stelle – es ist wie Zauberei. Und überhaupt, die Geschichten! Insgesamt sind in der Woche sechs Bildergeschichten entstanden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Liebesgeschichte ist auch dabei, die Gruppe mit der gruseligen Mäuse-Schulgeschichte hat sich noch eine zweite Story mit ihren Mäusen ausgedacht.

Passend zu ihren Themen haben die Gruppen sich für realistische oder Comic-Bilder entschieden. Natürlich berichten die Kinder auch von ihren Erlebnissen. Der Horrorclown hat kleine Jungs erschreckt und im Krankenhaus waren die vorbeieilenden Ärzte immer kurz davor, die scheinbar verletzte Michelle* anzusprechen. Es hat den Kindern Spaß gemacht, in ihrer Heimatstadt für ein bisschen Aufregung zu sorgen. Nach einer Stunde ist alles vorbei, die Kinder verabschieden sich und ziehen mit ihren Familien davon.

Nachlese

Wir machen im Anschluss mit Katharina Lüke noch ein bisschen Nachlese und sind uns einig, dass es eine sehr gelungene Projektwoche war. Vor allem hat es unglaublich viel Spaß gemacht. Plötzlich fällt uns auf, dass wir die Urkunde vergessen haben. Autsch! Aber die Kinder werden bald Post vom Jugendamt bekommen. Wir erstellen jedes Mal eine Broschüre, in der alle Geschichten enthalten sind und da können wir die Urkunde mitverschicken. Puh, gerettet. Wir schwärmen noch ein bisschen von der Gruppendynamik, die nicht nur in den Kleingruppen super funktioniert hat. Die gesamte Gruppe hat toll zusammen gearbeitet, sich gegenseitig unterstützt und Feedback gegeben. Aber uns fällt auch auf, dass es ganz schön anstrengend war. Während wir in den bisherigen Schreibwerkstätten manchmal Zeiten hatten, in denen sich die Kinder still zum Schreiben zurückzogen, waren wir diesmal in jeder Minute gefordert und haben auch über die eigentliche Zeit hinaus zuhause Bilder bearbeitet. Aber es hat sich gelohnt, alle haben viel aus der Woche mitgenommen. Ich selbst bin übrigens gerade im Comic-Wahn. Aber das ist ein anderes Thema und wenn es jemals zu etwas führen sollte, werde ich hier natürlich darüber berichten.

*alle Kindernamen geändert